Zum Hauptinhalt springen
Bild eines Mannes der auf Netzwerkpersonen tippt

6. Tage der Industriekultur in Leipzig

Eine Veranstaltung im Deutschen Museum für Galvanotechnik lockte im Rahmen der 6. Tage der Industriekultur am 25. August viele interessierte Besucher an.

Tag Industriekultur, Referent Dr. Olaf Boehnke

Dr. Olaf Boehnke, Sachverständiger Umweltschutz, informierte über Kobalt, Nickel und Chrom.

Der Verein Deutsches Museum für Galvanotechnik e.V. nahm auch in diesem Jahr an den Leipziger Tagen der Industriekultur teil. Im Deutschen Museum für Galvanotechnik bot der Verein am 25. August 2018 ein gut besuchtes Programm in den Museumsräumen. Marion Regal, Vorsitzende der Bezirksgruppe Sachsen, berichtet:

Besonders die drei Vorträge und das „offene Werktor“ – Umgestaltung eines alten Betriebsgeländes in eine neue Fertigungsstätte inmitten einer bestehenden Wohnbebauung – erfreuten sich regen Zuspruchs. Allein das „offene Werktor“ hat 29 Besucher angezogen. Mit den Vortragsthemen wurden offensichtlich Themen angesprochen, die im Fokus liegen; nicht nur bei Fachkollegen und -kolleginnen, sondern auch bei der interessierten Öffentlichkeit.

Speicherung erneuerbarer Energien

Den ersten Vortrag gestaltete Frank Schaale, Verein deutsches Museum für Galvanotechnik e. V., zum Thema „Die Speicherung erneuerbarer Energien“. Zunächst erläuterte er die Definition der Begriffe „Erneuerbare Energien“ und „Energiewende“ und zeigte Herkunft und Beispiele für erneuerbare Energien auf und benannte die Ziele der Energiewende. Anhand von Diagrammen stellte er das bereits Erreichte dar.

Dass die Ziele der Energiewende nur mit der Kopplung der Energiesektoren, mit dem Ausbau der Stromnetze, der Schaffung neuer, intelligenter Netze, so genannter Smart Grids, sowie dem Ausbau bestehender und Schaffung neuer Energiespeicher und Speichertechnologien zu erreichen sind, zeigte der nächste Teil des Vortrags. Der Referent nannte Beispiele für die verschiedenen Speicherarten: potentielle, thermodynamische, chemische und kinetische Energie und zeigte historische Anlagen sowie aktuelle und zukünftige Projekte. Insbesondere ging er auf die chemischen Energiespeicher ein und hier speziell auf die Batteriespeicher und -technik. Deren Erfindung, Entwicklung und industrieller Anwendung ist eng mit dem Aufschwung der Galvanotechnik im 19. Und 20. Jh. verbunden.

In der Zusammenfassung wies Schaale auf die Notwendigkeit einer schnellen und intelligenten Verteilung bzw. Speicherung von Energieüberschüssen hin. Dies bedinge den Aufbau intelligenter Netze, den Ausbau bestehender sowie die Schaffung neuer Energiespeicher. Die Politik sei gefordert, die Rahmenbedingungen hierfür zu schaffen, denn die Unternehmen richteten sich beim Umsetzen neuer Technologien ausschließlich nach der Wirtschaftlichkeit.

Umweltsimulation vor Herstellung neuer Produktionsgüter

Dr. Frank Erler, TZO Leipzig GmbH, befasste sich in seinem Vortrag mit einem wesentlichen Thema: der Umweltsimulation zur Prüfung neuer Bauteile vor der Zulassung zur Herstellung neuer Produktionsgüter. Ziel der Umweltsimulation ist die Aufdeckung von Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen, die Qualifikation von Erzeugnissen für gegebene Umweltbedingungen und die Optimierung einer umweltbezogenen Produktentwicklung – auch im Hinblick auf das nachhaltige Wirtschaften. Die Details der Auswahl klassifizierter Umweltbedingungen sowie der Bedingungen der Prüfprozesse müssen produktspezifisch geregelt werden. Akkreditierte Prüflabore – wie beispielsweise das Labor für Umwelterprobung und Werkstoffprüfung der TZO Leipzig GmbH – stehen mit ihren Leistungsprofilen dafür zur Verfügung.

Bei der Umweltsimulation geht es im Wesentlichen um die Verschärfung von Beanspruchungsparametern. Aber die Verschärfung muss so begrenzt werden, dass der Schädigungsmechanismus unter Laborbedingungen derselbe bleibt wie unter Feldbedingungen. Erler brachte im Rahmen seiner Ausführungen zahlreiche interessante Beispiele, wo mittels der Umweltsimulation Schadensfälle aufgeklärt bzw. Schadensfälle durch eine umweltbezogene Produktentwicklung verhindert werden konnten.

Kobalt, Nickel, Chrom – vor 50 Jahren Garanten des Fortschritts und heute?

Sehr viel Zuspruch fanden die Ausführungen von Dr. Olaf Boehnke, Sachverständiger Umweltschutz, zum Thema: Kobalt, Nickel, Chrom – vor 50 Jahren Garanten des Fortschritts und heute? Alles Metalle mit herausragender Bedeutung für die Galvanotechnik.

Durch die Aufnahme von Chrom und Kobalt in den Anhang XIV der EG VO 1907/2006 und die Diskussion der krebserzeugenden Wirkung von Nickel sind insbesondere diese drei Metalle sehr stark bei der Bevölkerung in Verruf geraten. Die Oberflächentechnik hat verstärkt mit Vorurteilen bezüglich einer Gesundheitsgefährdung zu kämpfen. Auf der anderen Seite gilt es zu kommunizieren, welche enorme Bedeutung galvanische Techniken und elektrochemische Prozesse für die Schlüsseltechnologien gegenwärtig und zukünftig haben. Boehnke machte deutlich, dass es zulässig sein muss, zu hinterfragen:

  • Ist der eingeschlagene Weg der Verwendungsverbote der Richtige?
  • Ist die getroffene Auswahl effektiv?
  • Ist die jeweilige Begründung verifizierbar?
  • Wie sieht die Umweltbilanz nach 10 Jahren aus?

Die intensive Diskussion zeigte, dass die angesprochenen Fragen – aus unterschiedlichen Gründen – im Fokus der Branche und der Öffentlichkeit stehen.