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DGO-Mitgliederumfrage: erste Ergebnisse und geplante Fortsetzung

Die DGO befragte vor einigen Monaten ihre Mitglieder und andere interessierte Unternehmen erstmals zum aktuellen und künftig zu erwarteten Personal- und Qualifikationsbedarf in der Branche. Nach einem ersten Durchlauf soll eine weitere Befragung den Fachkräftebedarf der Branche dokumentieren.

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Die Umfrage wurde auf Initiative des DGO-Fachausschusses Chemische Metallabscheidung ins Leben gerufen. Das Ziel war, ein Feedback aus der Industrie in Bezug auf die gegenwärtige Ausbildungssituation in Deutschland zu erhalten und daraus ggf. erforderliche Maßnahmen abzuleiten, die geeignet sind, galvanotechnische Ausbildung auf allen Ebenen zukunftsgerecht auszurichten. In diesem Zusammenhang sollte auch der Bedarf an Fachkräften auf allen Ausbildungsniveaus von den beruflichen bis zu den akademischen Abschlüssen abgefragt und die Kompatibilität der Ausbildungsinhalte mit den aktuellen Anforderungen an branchentypische Stellen abgeglichen werden.

Bisherige Rückmeldungen legten die Annahme nahe, dass der Bedarf der Branche an Fachkräften bis hin zu den akademischen Abschlüssen hoch ist und dies auch in Zukunft sein wird und die Branche die Ausbildungslandschaft in Deutschland entsprechend schätzt und unterstützt.

Das Ziel der DGO-Umfrage, die künftigen Ausbildungsanforderungen für Fachkräfte in der Galvano- und Oberflächentechnik zu ermitteln, konnte im ersten Durchlauf noch nicht erreicht werden. Denn die Teilnehmerzahl an der zweiteiligen Umfrage blieb mit 25 bzw. 16 Unternehmen aus verschiedenen Branchen wie Lieferanten bzw. Formulierer von Prozesschemikalien, Lohn- und Inhousegalvaniken, Anlagenbauer oder auch in der Branche tätige Berater deutlich hinter den Erwartungen der Initiatoren zurück.

Überzeugt von der möglichen Aussagekraft der Erhebung, sowie dem damit verbundenen Nutzen für die Branche, möchte die DGO ihren Mitgliedern und interessierten Unternehmen und Instituten der Branche in den nächsten Wochen erneut die Möglichkeit bieten, an dieser potenziell aussagekräftigen Umfrage teilzunehmen.

Personalbedarf, Ausbildungsniveau und Arbeitsplatzqualifikation

Im ersten Teil der Befragung wurde der derzeitige Personalbedarf sowie das Ausbildungsniveau und die Arbeitsplatzqualifikation der im Bereich Galvanik beschäftigten Mitarbeiter abgefragt. Anschließend wurde um eine Einschätzung des künftig zu erwartenden Bedarfs in den genannten Bereichen Personal, Ausbildungsniveau und Arbeitsplatzqualifikation gebeten.

Dabei reichen die Qualifikationen vom Quereinsteiger ohne Qualifikation und Hilfsarbeiter über Auszubildende und Facharbeiter/Gesellen und Meistern/Technikern bis zu Absolventen akademischer Ausbildungsgänge wie Duales Studium Bachelor/Ingenieur (FH), Master/Diplom (Uni) und PHD/Doktor.

Hilfskräfte und Facharbeiter stellen den höchsten Anteil

Den größten Anteil der im Bereich Galvanik inklusive Forschung und Entwicklung sowie technischer Vertriebe beschäftigten Mitarbeiter scheinen nach den Ergebnissen der bisherigen Befragung die Hilfskräfte zu stellen, gefolgt von Quereinsteigern ohne Qualifikation und Facharbeitern. In fünf Jahren erwarteten die befragten Unternehmen mehrheitlich eine Zunahme in den Bereichen Hilfskräfte und Facharbeiter. Mehr Mitarbeiter als derzeit werden auch bei Meistern/Technikern, Absolventen eines Dualen Studiums Bachelor/Ingenieur FH erwartet. Keine Veränderung wurde bei der Anzahl der Quereinsteiger, Azubis, Master und promovierten Mitarbeiter erwartet.

Die Übereinstimmung des Ausbildungsniveaus mit den tatsächlich benötigten Fähigkeiten, sahen die Befragten überwiegend als gegeben an. Bei Absolventen des Dualen Studiums zeigte sich sogar tendenziell ein höheres, als das benötigte Ausbildungsniveau ab. Weniger stark aber dennoch erkennbar scheint diese Tendenz auch bei Master- und Bachelorabschlüssen zu sein. Tendenziell unter den Anforderungen schienen Auszubildende, Facharbeiter und Meister zu sein, gefolgt von Hilfsarbeitern und Quereinsteigern.

Qualität und Anforderungen bei Aus- und Weiterbildung

Im zweiten Teil der Befragung, an der sich insgesamt 16 mehrheitlich der Branche der Anlagenbauer sowie Lohn- und Inhousegalvanik zugehörige Unternehmen beteiligten, ging es um die Bewertung der Aus- und Weiterbildung sowie um Ausbildungsanforderungen an Hochschulen und Universitäten.

Die Anzahl an Aus- und Weiterbildungsstätten müsste laut Auswertung der Antworten vor allem im Bereich Duales Studium erhöht werden. Auch bei den Doktoranden/Ph.D. zeichnet sich eine leichte Tendenz nach erhöhtem Bedarf an Aus- und Weiterbildungsstätten ab.

Mehr Ausbildungsplätze im Dualen Studium gefordert

Das qualitative Ausbildungsniveau bei Auszubildenden wurde als befriedigend bis gut bewertet.

Auch bei der Mehrheit der Facharbeiter wurde das Niveau als gut bis befriedigend bezeichnet. Überwiegend gut lautete die Einschätzung bei Bachelor/Ingenieur FH, Dualem Studium, Master/Diplom und Meister/Techniker. Viele Meister erhielten ebenso ein „Gut“ bis „Sehr gut“.

Die Frage, ob die angebotenen Studieninhalte an Hochschulen und Universitäten den tatsächlichen Bedarf in den Unternehmen decken, beantworteten die Befragten tendenziell eher mit „nein“.

Kritikpunkte waren die zu geringe Berücksichtigung neuer Technologien, die unzureichende Vermittlung von Arbeits- und Umweltschutzthemen sowie des Managements. Gewünscht wurde ein Duales Studium der Chemie in Kombination mit einer Ausbildung zum Oberflächen-beschichter.

Für die Zukunft rechnet die Mehrheit der Befragten damit, dass die gebotenen Studieninhalte den Bedarf der Unternehmen decken werden. Es gibt aber auch kritische Stimmen: Sie sehen künftig einen höheren Bedarf hinsichtlich des praktischen Bezugs, des analytischen Verständnisses sowie im Bereich Arbeits- und Umweltschutz.

Befragt nach dem Vorhandensein einer ausreichenden Zahl von Hochschulabsolventen, beklagte eine große Mehrheit einen Mangel an Absolventen mit Dualem Studium, gefolgt von Master/Diplom Uni, Bachelor/Diplom FH und PhD/Doktor.

Berufsbegleitendes Fernstudium für Elektrochemie/Galvanotechnik oder branchenbezogenes Masterstudium in englischer Sprache?

Erfragt wurde in der Erhebung außerdem der Bedarf für einen branchenbezogenen Bachelor- bzw. Master-Fernstudiengang im Bereich Elektrochemie/Galvanotechnik.

Eine deutliche Mehrheit der Antwortenden sah diesen Bedarf als gegeben an.

Eine weitere Fragestellung bezog sich auf die Notwendigkeit, ob branchenbezogene Studiengänge international geöffnet werden sollen.

Eine Tendenz für den Bedarf eines Präsenzstudienganges in Englisch war im Rahmen dieser Erstbefragung nicht erkennbar. Ob sich darin indes tatsächlich eine „Branchenmeinung“ abzeichnet, kann aufgrund der bisher geringen Teilnehmerzahl noch nicht beantwortet werden.

Fazit

Der konzeptionelle Ansatz der DGO-Mitgliederumfrage zielt auf die Ermittlung des aktuellen und künftig zu erwartenden Personalbedarfs in der Galvano- und Oberflächenbranche und umfasst dabei alle Ausbildungsniveaus sowie die Qualität und die Anforderungen an die Aus- und Weiterbildung.

Tendenziell zeigte sich, dass die Branche heute und in Zukunft weiterhin alle Bildungsniveaus benötigen wird, vom Hilfsarbeiter, Quereinsteiger, Facharbeiter, Meister bis hin zum Bachelor, Master und Doktor.

Besonders nachgefragt werden künftig offenbar Absolventen mit Dualem Studium.

Es bleibt jedoch festzuhalten, dass es sich aufgrund der geringen Teilnehmerzahl an der Mitgliederumfrage bei den Ergebnissen nicht um repräsentative Ergebnisse handelt. Eine belastbare Aussage zum tatsächlichen Bedarf kann nur auf der Basis einer höheren Beteiligung getroffen werden.

Aus diesem Grund wird die DGO diese Mitgliederumfrage in den nächsten Wochen noch einmal wiederholen. Zur Teilnahme wird die DGO dann nochmals via Newsletter aufrufen.