27. Leipziger Fachseminar: Kontinuität und aktuelle Vortragsthemen

Das diesjährige Leipziger Fachseminar am 27. Februar 2020 hat erneut Kontinuität bewiesen: 249 Teilnehmer und 55 Aussteller waren der Einladung der Bezirksgruppen Sachsen und Thüringen in das Congress Center Leipzig gefolgt. Die aktuellen Vorträge aus der Galvanotechnik überzeugten die Teilnehmer.

Rainer Venz (l.) und Prof. Thomas Lampke verabschieden Jens Heinze (Mitte)

Rainer Venz (l.) und Prof. Thomas Lampke verabschieden Jens Heinze (Mitte)

Als Gäste konnte der Moderator des Vormittags, Prof. Thomas Lampke, TU Chemitz, den neuen Leiter des Amtes für Wirtschaftsförderung der Stadt Leipzig, Clemens Schülke, sowie Rainer Venz, Past-Präsident der DGO, und Christoph Matheis, Geschäftsführer des ZVO, begrüßen. Auch die Presse war vertreten.

Schülke begrüßte die Teilnehmer im Namen der Stadt Leipzig und hob in seinen Begrüßungsworten hervor, dass die Branche der Oberflächentechnik als Zulieferer für die Automobilindustrie vor großen Herausforderungen durch den Strukturwandel steht. Er wünschte einen regen Austausch im Rahmen der Veranstaltung, um diese Herausforderung zu meistern. Auch Rainer Venz, seit Anfang 2020 für zwei Jahre Past-Präsident der DGO, wünschte gutes Gelingen.

Vor Beginn des Vortragsprogramm, erinnerte Lampke an die Gründung des Vereins Deutsches Museum für Galvanotechnik e. V. (VDMG e. V.) vor zehn Jahren durch Thilo von Vopelius hier in Leipzig. Die Gründung erfolgte mit 27 Mitglieder. Heute zählt der Verein 68 Mitglieder. Weiter zeigte er wesentliche Aktivitäten des VDMG e. V. aus den letzten zehn Jahren auf und dankte dem Vorstand für seine erfolgreiche Entwicklungsarbeit.

Nach einer mehr als 20-jährigen Mitarbeit im Organisationsteam des Leipziger Fachseminars beendete Jens Heinze, MacDermid Enthone GmbH seine Mitarbeit. Das Organisationsteam bedauert das außerordentlich. Lampke würdigte die Aktivitäten Heinzes als langjähriger Leiter der BG Thüringen, bedankte sich für die geleistete Arbeit und wünschte ihm für seine Zukunft alles Gute.

Der Plenarvortrag „Veränderungen der Oberflächen im Automobil durch E-Mobilität“ von Rainer Venz, COVENTYA International GmbH, beantwortete einige der in der Branche diskutierten Fragen zu den Anforderungen, die sich aus der Umstellung auf die E-Mobilität ergeben. Einige wichtige Voraussetzung wird unter anderem der Leichtbau sein. Klassische mechanische Komponenten wie Verbrennungsmotor, Antrieb, Abgasanlage werden neuen Komponenten: Batterie, Elektromotor, Leistungselektronik Platz machen. Viele Anforderungen sind aufgrund der fehlenden Felderfahrungen noch nicht definiert. Sicher ist: Die E-Mobilität wird kommen. Was jedoch kommt, hängt von vielen Faktoren ab.

Industrie 4.0

Das Vormittagsprogramm wurde durch den Themenblock Industrie 4.0 bestimmt. Als ersten Referenten in diesem Block begrüßte Lampke Frank Benner, B + T Technologies GmbH, mit seinen Ausführungen zum Thema „Vernetzte Oberflächentechnik – wie geht das?“. Benner machte deutlich, dass die Digitalisierung Prozesse optimieren soll und dass es darum geht, die Chancen der digitalen Daten zu nutzen. Die Frage: Wo bleibt der Mensch dabei, spielte eine wesentliche Rolle in seinen Ausführungen.

„Industrie 4.0 - intelligente Ergänzungen für Stromversorgungen in der Oberflächentechnik“ stellte Heinrich-W. Kämper, Munk GmbH, vor. Darin ging es vor allem um den Einsatz intelligenterer Gleichrichter, die lokale Überwachung und Fernsteuerung, die Statusüberwachung und die Meldung von Fehlfunktionen.

In seinem Beitrag „Chrom(III)-Elektrolyte durch automatisierte Analysenverfahren sicher beherrschen“ gab Daniel Schlak, Deutsche METROHM GmbH & Co. KG, Empfehlungen zur Automatisierung der Analytik der Badparameter unter Berücksichtigung der Relevanz für den Prozess. Die Herausforderung besteht in der direkten Einbindung in die Prozesssteuerung.

Den letzten Vortrag in diesem Block hielt Michael Hellmuth, Softec AG, zum Thema „Warum 4.0 schon heute Sinn macht – Vorteile für Logistik und Prozesssicherheit“. Er zeigte auf, wie Digitalisierung in Galvaniken funktionieren kann. Verschiedene Ansätze und Lösungsmöglichkeiten bieten sich an. RFID, Apps und die Vernetzung von Anlagen können mögliche Wege sein, die an das gewünschte Ziel führen.

Zweimal Leipziger Galvanopreis

Nach der Mittagspause folgte die Vergabe des Leipziger Galvanopreises. Dr. Olaf Boehnke, Sachverständige Umweltschutz, der die Sessions am Nachmittag moderierte, hob hervor, dass für den Galvanopreis 2020 sechs äußerst hochwertige Bewerbungen eingereicht wurden. Die Jury entschied sich in Abstimmung mit dem Organisationsteam, in diesem Jahr zwei gleichrangige Galvanopreise zu vergeben. Einen Galvanopreis erhielt die AIRBUS für die Technologie 3D-Surfin®. Das Verfahren löst ein bedeutendes Thema der aktuellen Trendthemas Additive Fertigung von Metallteilen. Durch den 3D SurFin®-Prozess ist es möglich, die Oberflächenrauheit von additiv gefertigten Ti6Al4V Bauteilen signifikant zu reduzieren und somit die dynamischen Eigenschaften des Materials zu verbessern. Den zweiten Galvanopreis erhielt Politeknik Metal San ve Tic A.S. (Member of the COVENTYA Group) für das Verfahren Castelox. Dieses fokussiert auf die besonderen Anforderungen der Oberflächentechnik an Aluminium-Silizium Grußlegierungen. Das Erzeugen von gleichmäßig ausgebildeten Oxidschichten ist bekanntermaßen schwierig und kann durch dieses Verfahren deutlich verbessert werden. Der neu entwickelte Prozess ermöglicht gleichmäßige Anodisierschichten, die dekorativ eingefärbt werden können und verbesserte technische Eigenschaften besitzen.

Richtlinien und Verordnungen

Im folgenden Vortrag berichtete Dr. Michael Flämmich, VACOM Vakuum Komponenten & Messtechnik GmbH, über die vom FiT-Arbeitsausschuss „Messen, Prüfen und Steuern“ erschaffene Richtlinie „Filmische Verunreinigungen beherrschen“. Die Richtlinie gibt firmenunabhängige Handlungsempfehlungen, wie die Prozesskette der Bauteilreinigung aufgebaut und optimiert werden kann, um die Anforderungen an Restverunreinigungen filmischer Natur auf Teileoberflächen sicher zu erfüllen und damit die Funktionalität und Qualität von Bauteilen, Baugruppen und Produkten stabil zu sichern.

Im letzten Vortrag des Tages stellte Ulrich Mäule, QUBUS GmbH, die „AwSV – Verordnung zum Umgang mit wassergefährdenten Stoffen“, insbesondere Kapitel 3 der Verordnung (anlagenbezogene Regelungen), vor. Der Anhang 2 ist für Betriebe der oberflächenbearbeitenden Industrie, wo es um die Löschwasserrückhaltung geht, immens wichtig. Ziel ist die Verhinderung von Boden- und Grundwasserverunreinigungen beim Verwenden, Lagern und Abfüllen.

Boehnke beendete das 27. Leipziger Fachseminar mit dem Dank an Referenten, Aussteller, Teilnehmer und das Organisationsteam. Das 28. Leipziger Fachseminar soll am 4. März 2021 parallel zur Zuliefermesse Z Leipzig stattfinden.