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47. Ulmer Gespräch thematisierte Oberflächentechnik und High-End-Anwendungen auf höchstem Niveau

Das 47. Ulmer Gespräch der DGO fand am 20. und 21. Mai erneut im Stadthaus Ulm statt und stellte das Leitthema „Oberflächentechnik und High-End-Anwendungen“ in den Mittelpunkt. Die Veranstaltung zeigte eindrucksvoll, wie eng technologische Exzellenz, industrielle Umsetzung und gesellschaftliche Herausforderungen miteinander verknüpft sind. Dabei wurde deutlich: Oberflächentechnik ist nicht nur unterstützende Disziplin, sondern ein aktiver Enabler für Innovationen in Schlüsselindustrien.

Die hochkarätigen Vorträge zogen das Auditorium in ihren Bann.

Die hochkarätigen Vorträge zogen das Auditorium in ihren Bann.

Prof. Dr. Thomas Lampke, TU Chemnitz, überzeugte durch seinen Vortrag, in dem er High-End mit kombinierter Oberflächentechnik verband.

Prof. Dr. Thomas Lampke, TU Chemnitz, überzeugte durch seinen Vortrag, in dem er High-End mit kombinierter Oberflächentechnik verband.

Großes Interesse an der Veranstaltung zeigten zahlreiche Studierende der Hochschule Aalen.

Großes Interesse an der Veranstaltung zeigten zahlreiche Studierende der Hochschule Aalen.

In den Pausen war der Speakers´ Corner stets gut besucht. Hier standen die Vortagenden für Fragen der Teilnehmenden gern zur Verfügung.

In den Pausen war der Speakers´ Corner stets gut besucht. Hier standen die Vortagenden für Fragen der Teilnehmenden gern zur Verfügung.

Im Speakers´ Corner gab es zu jeder Zeit intensiven Austausch auch über Detailfragen

Im Speakers´ Corner gab es zu jeder Zeit intensiven Austausch auch über Detailfragen.

In den Pausen stand ebenso das Netzwerken auf dem Programm.

In den Pausen stand ebenso das Netzwerken auf dem Programm.

Auch außerhalb des Speakers´Corner gab es mit den Vortragenden regen Austausch über die spannenden Themen ihrer Vorträge.

Auch außerhalb des Speakers´Corner gab es mit den Vortragenden regen Austausch über die spannenden Themen ihrer Vorträge.

Den Einstieg machte Prof. Dr. Christian Kehrt, Geschichtswissenschaftler von der TU Braunschweig mit einer bewusst ungewohnten Perspektive, der die Frage stellte: „Was ist überhaupt High End?“. Aus technikhistorischer Sicht machte er deutlich, dass „High-End“ kein statischer Begriff ist, sondern Ergebnis komplexer Entwicklungsprozesse. Innovation entsteht nicht linear, sondern in einem Spannungsfeld aus wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, gesellschaftlichen Erwartungen und technologischen Möglichkeiten. Damit lieferte der Vortrag den roten Faden der Veranstaltung: High-End ist kein Zustand, sondern ein kontinuierlicher Entwicklungsprozess.

Im Anschluss wurde dieser Gedanke auf konkrete Technologien übertragen. Prof. Dr. Norbert Frühauf (Uni Stuttgart) zeigte mit reflektierenden intelligenten Oberflächen, wie klassische galvanische Prozesse die Grundlage für zukünftige Kommunikationssysteme (z.B. 6G Mobilfunk) bilden können. Danach vertrat Dr. Dominik Britz sein junges Unternehmen „SurFunction“ und zeigte mit der ELIPSYS®-Plattform einen disruptiven Ansatz: Funktionale Eigenschaften werden nicht mehr nur über Material oder Chemie definiert, sondern über gezielt einstellbare Mikro- und Nanostrukturen. Das besondere dabei ist, dass diese komplex strukturierten Oberflächen keine Labor-Kuriosität mehr sind, sondern mit hohem Durchsatz aufgebracht werden können. 

Prof. Dr. Thomas Lampke von der TU Chemnitz verband High-End mit kombinierter Oberflächentechnik: Thermisch gespritzte Schichten, die anschließend plasmaelektrolytisch oxidiert werden, führen zu Aluminiumoxid-Oberflächen mit einmaligen Eigenschaften. 

Dr. Ivan Radev (ZBT Duisburg) und Prof. Dr. Eugenia Toimil-Molares (GSI Darmstadt) berichteten von der Kombination aus Nanostrukturierung durch Ionenbeschuss und anschließender galvanischer Abscheidung. Ionenbeschuss wird schon heute benutzt, um gezielt Poren bzw. Kanäle in Membranfolien zu erzeugen. Durch die Metallisierung werden dann Strukturen erzeugt, die beispielsweise als hocheffiziente Kathoden für die Wasserstofferzeugung dienen können. 

Ein viel beachteter Beitrag kam von Dr. Rene Böttcher, der noch 2024 den Nasser-Kanani Preis auf dem Podium des Ulmer Gesprächs entgegennahm und sich nun bei Airbus Defence and Space mit multiphysikalischer Modellierung und künstlicher Intelligenz für innovative Oberflächentechnik beschäftigt. Hiermit können beispielsweise Korrosionsphänomene in kupferreichen Aluminiumlegierungen besser verstanden werden. 

Am zweiten Veranstaltungstag wurde der Bogen konsequent zur Anwendung gespannt. Dr. Andrea Russo von der Technischen Universität von Lyngby in Dänemark stellte mit FIBERNEX ein Konzept vor, das exemplarisch für den Paradigmenwechsel steht: Nicht mehr nur Beschichten von Oberflächen, sondern gezielte Gestaltung funktionaler Strukturen zur Effizienzsteigerung – etwa bei der Wasserstofferzeugung.

Daran anschließend zeigte Prof. Dr. Rüdiger-A. Eichel (FZ Jülich) im Kontext von Power-to-X, welche zentrale Rolle elektrochemische Prozesse für die Transformation zu einer klimaneutralen Industrie spielen. Die Verbindung von Energie- und Stoffkreisläufen wurde dabei als entscheidender Hebel für zukünftige Wertschöpfung beschrieben.

Mit zunehmender Komplexität rückt die Prozessführung in den Fokus. Hans-Ullrich Eckert von der Gerweck GmbH in Bretten verdeutlichte dies am Beispiel der Bandgalvanik: Wenn eine vollständige Bauteilprüfung nicht möglich ist, wird die Qualität zum Ergebnis intelligenter Prozesskontrolle. Die enorme Menge an verfügbaren Prozessdaten eröffnet dabei neue Möglichkeiten, erfordert aber zugleich ein Umdenken im Qualitätsverständnis.

Dr. Dietmar Lütke-Notarp berichtete von der erfolgreichen Industrialisierung der Abscheidung von Aluminium aus ionischen Flüssigkeiten – einer Technologie, die bisher hauptsächlich akademisch relevant war. Sein Unternehmen NB Technologies stellt Beschichtungsanlagen für die Mikroelektronik und Halbleiterfabrikation her, in denen die empfindlichen Elektrolyte unter Ausschluss von Luft und Wasser gehandhabt werden und nach Gebrauch einfach durch ein Patronensystem ausgetauscht werden können. 

Ralf Winter (Carl Zeiss SMT GmbH) machte deutlich, dass selbst kleinste Verunreinigungen die Funktion modernster Lithographiesysteme beeinflussen können – und dass präzise abgestimmte galvanische Schichten hier eine Schlüsselrolle spielen.

Mit Blick auf zukünftige Fertigungskonzepte zeigte Andreas Frölich von der Horizon Microtechnologies GmbH die Kombination aus 3D-Druck und galvanischer Beschichtung als Weg zu neuen Designfreiheiten. 

Den Abschluss bildete Prof. Dr. Thomas Klassen von der Universität der Bundeswehr in Hamburg als ausgewiesener Experte auf dem Gebiet des Kaltgasspritzens. Die Technik ermöglicht es, hochwertige Bauteile ressourcenschonend zu reparieren, wie am Beispiel eines Eurofighter Zusatztanks gezeigt wurde.

Neben den fachlichen Beiträgen bildeten die Ehrungen einen wichtigen Bestandteil der Veranstaltung. Patricia Preikschat wurde für ihr langjähriges Engagement und ihre nachhaltigen Impulse für die Branche zum DGO-Ehrenmitglied ernannt. Ebenso wurde Prof. Dr.-Ing. Dr. habil. Nasser Kanani für sein wissenschaftliches Lebenswerk und seinen prägenden Einfluss in der Galvanotechnik mit der Ehrenmitgliedschaft geehrt.

Mit dem DGO-Nasser-Kanani-Preis 2026 wurde Andreas Winter (TU Ilmenau) ausgezeichnet. Seine Arbeiten verbinden grundlegendes elektrochemisches Verständnis mit einem klaren Fokus auf Ressourceneffizienz und Nachhaltigkeit.