Andreas Zahl, Mitbegründer des Norddeutschen Galvanotages von der ersten Stunde an, verabschiedete sich Ende 2024 in den wohlverdienten Ruhestand. Damit einhergehend gab er auch die Leitung der BG Nord ab, ebenso wie sein Stellvertreter Rudi Fließwasser.
Als neues Leitungsteam der BG Nord und somit künftige Organisatoren des Norddeutschen Galvanotages wurden Stefan Fließwasser, Montblanc Simplo GmbH, Hamburg (Leiter), und Alexander Spreen, Dr.-Ing. Max Schlötter GmbH, Geislingen an der Steige (Stellvertreter), vom Vorstand der DGO berufen.
Thomas Kruggel, Leiter der BG Bielefeld, bleibt im Amt und wird als erfahrener Mitorganisator der Veranstaltung das neue Leitungsteam der BG Nord bei der Ausrichtung des Norddeutschen Galvanotags tatkräftig unterstützen und ergänzen.
Wie gewohnt beinhaltete die Tagung zwei Themenblöcke. Der erste Block „Aktuelles aus der Galvanotechnik“ wurde von Thomas Kruggel moderiert. Den zweiten Block „Einblicke in eine Lohngalvanik und Normen“ moderierte Stefan Fließwasser.
Aktuelles aus der Galvanotechnik
Unter dem Titel „Effizient, sicher und clever Temperieren“ referierte zunächst Christian Gaugigl von der Mazurczak GmbH in Schwabach und definierte wichtige Begriffe wie „Effizienz“, „Sicherheit“, und „Clever“ im Kontext des Temperierens. Weiterhin wurden die Effekte von Isolierung, Abdeckung und Luftabsaugung dargestellt. Besonderen Raum gab der Referent den Themen Brandschutz, Wärmerückgewinnung und dem Temperieren kritischer Prozesslösungen wie konzentrierter Salzsäure und Phosphatierungen.
Steffen Genz von der Fa. Färber & Schmidt GmbH in Stuttgart berichtete zum Thema „Moderne Schwermetall-Fällungsmittel und aktuelle Methoden der Abwasserbehandlung“. Zunächst wurden die in der Galvanotechnik am häufigsten vorkommenden Komplexbildner Cyanide, Amine und organische Säuren vorgestellt. Darauf aufbauend wurden Lösungsansätze aufgezeigt, wie man den einzelnen Stoffen die schädliche Wirkung auf das Abwasser nehmen kann. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Fällung von dreiwertigem Chrom als Chrom(III)Hydroxid. Interessant war der Hinweis, dass ein Chrom(VI)Verbot seitens der EU möglicherweise nun doch nicht erfolgen wird.
Am Ende des ersten Vortragblocks erläuterte Dietmar Stork von der Dr.-Ing. Max Schlötter GmbH & Co. KG aus Geislingen an der Steige das Thema „Glanz- und Hartchrom: Innovative Chrom (III)-Elektrolyte - leistungsstark und nachhaltig“.
Der Vortrag behandelte den Übergang von Chrom(VI)- zu Chrom(III)- Prozessen in der dekorativen und funktionalen Verchromung. Neben der Abwasserbehandlung wurden verschiedene Elektrolyte bzw. deren Eigenschaften vorgestellt. So gibt es Glanzchromelektrolyte, die frei von Komplexbildnern sind und Hartchromelektrolyte, bei denen die typische Makrorissbildung durch einen stark verringerten Einbau von Kohlenstoff unterdrückt wird. Damit werden nickelfreie Beschichtungen möglich. An weiteren Beispielen zeigte der Referent, dass man bei der Metallverteilung und somit auch bei der Tiefenstreuung erhebliche Verbesserungen gegenüber der herkömmlichen Technik erzielt hat.
Einblicke in eine Lohngalvanik und Normen
Den zweiten Vortagsblock eröffnete Herr Joachim Ramisch von der Riesmetall GmbH in Nördlingen mit seinem Thema „Ein Leben für die Galvanotechnik: Die Abenteuer eines Lohngalvanikers Teil 2: Weniger ist mehr. Wie man von der 3- Schicht-Droge herunterkommt“ Beginnend mit der deutschen Wiedervereinigung, über die europäische Neuordnung bis hin zur Globalisierung musste die Fa. Riesmetall eine stetige Erosion seiner Kundenbasis in der Schraubenindustrie hinnehmen, die zeitweise bis zu 80% des Umsatzes lieferte. Die hierdurch erforderlichen Maßnahmen wurden erläutert:
- Völlige Tilgung aller Bankkredite
- Keine Neuanschaffungen, sondern Wartung und Langzeiterhaltung des bestehenden Inventars auf hohem Niveau
- Rückbau aller Komponenten, die nur für 3-SchichtBetrieb notwendig waren
- Weitgehende Automation aller Bürotätigkeiten
- Implementierung eines wirkungsvollen Systems zur Überwachung von Material- und Energieverbrauch
Interessant waren auch die Ausführungen zum Fahrzeugpark der Fa. Riesmetall. Hier wird noch wahre Nachhaltigkeit gelebt.
Abschließend referierte Herr Dr. Jens Uwe Riedel von der IchemAnalytics GmbH aus Detmold zum Thema „Update Normung DIN 50940 Teil 2: Bestimmung der inhibierenden Wirkung von Beizinhibitoren oder Wasserstoffversprödung in der Vorbehandlung – Ein Ausblick auf die neue DIN-Norm 50940 Teil 2“. Das Beizen von Metallen stellt einen wesentlichen Erfolgsfaktor für die folgende galvanische Beschichtung dar. Beizinhibitoren bremsen die Metallauflösung und eine mögliche Wasserstoffversprödung. Der Vortrag zeigte die Grenzen und Möglichkeiten der Bestimmung von fertigungsbedingten Materialschäden und der Wirksamkeit unterschiedlicher Beizinhibitoren auf. Aktuelle Arbeiten an der neuen DIN-Norm 50940 Teil 2 sollen hier für mehr Anwendungssicherheit bei Kunden und Lieferanten in der Beurteilung und Anwendung u. a. von Beizinhibitoren sorgen. Es wurden die in der Norm zur Anwendung kommenden Prüfverfahren im Überblick vorgestellt und ihre Bedeutung auf die Prozessüberwachung diskutiert.
Zum Abschluss der Tagung bedankte sich Tagungsleiter Andreas Zahl bei den Referenten und dem Auditorium für die interessanten Vorträge und Diskussionsbeiträge. Stefan Fließwasser und Thomas Kruggel überreichten Andreas Zahl zum Abschied einen Präsentkorb.
Dies nahm Andreas Zahl zum Anlass, sich für die vielen Jahre der guten Zusammenarbeit mit den Fachkollegen der gesamten Branche, die ja relativ klein und fast familiär ist, zu bedanken.
Der nächste Norddeutsche Galvanotag ist für den 28.05.2026 geplant.