Der Geschäftsführer der Rieger Metallveredlung, Franz Rieger, begrüßte die Teilnehmer und bedankte sich für das Interesse an seinem Unternehmen. Gegründet 1953 in Heidenheim und seit 1959 in Steinheim ansässig stand anfänglich vor allem die Beschichtung von Stahl mit Chrom im Vordergrund. Schon bald konnte der Betrieb ein stetiges Wachstum verzeichnen, unter anderem durch die Oberflächenbehandlung und Beschichtung von Aluminium. Der Erfolg und die Motivation wurde im Jahr 1988 durch die Verleihung des Dr. Rudolf-Ebert-Preises für innovative Forschung in der Galvanotechnik gewürdigt.
Franz Rieger übernahm das Unternehmen 1997 und hat dies seitdem stetig ausgebaut. Heute sind 40 Mitarbeiter beschäftigt. Die Rieger Metallveredlung wurde zweimal als TOP100 Arbeitgeber ausgezeichnet. Heute werden vor allem Aluminiumteile mit Metall beschichtet und anodisiert. Des Weiteren wird die galvanische Beschichtung von Stählen mit Nickel, Kupfer, Chrom und Zinn angeboten. Zu den wichtigen Eigenentwicklungen zählt die galvanische Beschichtung von Aluminium, bei dem keine klassische Zinkatbeize eingesetzt wird. Neue Entwicklungsarbeiten befassen sich mit der Nutzung von Ultraschall für die Anodisation sowie der Verbesserung der Energieeffizienz. Angestrebt wird Energieautarkie.
Umweltschutz wird bei Rieger Metallveredlung groß geschrieben
Das Unternehmen kann eine hohe Umweltverträglichkeit nachweisen und befasst sich intensiv mit der Nutzung von Ökostrom. Seit 2011 wird der Bestand an Photovoltaikanlagen sukzessive erweitert oder auch der Ersatz von elektrischen Motoren mit höchster Energieeffizienzklasse vorgenommen. Ebenso werden nach und nach Gleichrichter auf neue Modelle umgestellt, wobei die Energieeinsparung im Vordergrund steht. 2023 wurde die bisherige Ölheizung stillgelegt. Die Aktivitäten in Bezug auf Umweltfreundlichkeit werden seit 2022 durch die Ausweisung des CO2-Fußabdrucks nachgewiesen. Seit 2024 wird die Heizung durch Wärmepumpentechnik geleistet und seit diesem Jahr ist die Rieger Metallveredlung Mitglied im Klimabündnis BW.
Korrosionsschutz für Aluminium: Votrag vom IFO über “Schutzschicht mit Geschmack”
Dr. Benjamin Fiedler vom IFO gab einen Einblick in Entwicklungen bei der Herstellung von Schutzschichten gegen Korrosion auf Aluminiumteilen, wobei in seinem Vortrag mit dem Titel „Schutzschicht mit Geschmack“ der Begriff “Geschmack” eine doppelte Bedeutung erhielt. So wurde mit dem Begriff „Geschmack“ zum einen auf den Geschmack, der durch unsere Gechmacksnerven erlebbar ist, referiert als auch zum anderen auf den Geschmack, den das menschliche Auge als ästhetisch wahrnimmt. Mit zu den bekannten Verbindungen, die sowohl unsere Geschmacksnerven ansprechen als auch Einsatz in der Galvanotechnik finden, zählen einige Bleisalze sowie Verbindungen mit Beryllium und Yttrium.
Eine interessante Variante stelle Aluminium dar, so Dr. Fiedler. Aluminium sei geschmacklich neutral und gesundheitlich unbedenklich. So finden sich Aluminiumbeschichtungen auf Lebensmitteln zur Glanzerzeugung. Für Lebensmittel in großem Umfang wird Aluminium in Form von Dosen eingesetzt, die allerdings in der Regel mit einer Beschichtung im Inneren versehen sind. Da diese Beschichtungen zum Teil den Geschmack der Lebensmittel reduziert, wird versucht, auf die Beschichtung zu verzichten. Hierbei ist dann aber eine deutliche Korrosion der Aluminiumoberfläche festzustellen.
Ähnliche Erscheinungen wie z.B. die Lochkorrosion sind u.a. bei Fassaden zu finden. Um farbliche Besonderheiten auf Aluminium zu erreichen (also ästhetischen Geschmack zu erzeugen), kann beispielsweise mit pigmentierten Lacken gearbeitet werden. Optimal ist der Einsatz von geringen Mengen an Bindemittel, was zum Beispiel durch Drucktechniken erreicht werden kann und dann zu sehr dünnen Schichten führt. Zur Erzielung einer besseren Beständigkeit wird auf derartige farbige Druckschichten eine transparente Schutzschicht aufgebracht.
Die Teilnehmer waren von den Ausführungen fasziniert und diskutierten im Anschluss an den Vortrag einige Aspekte noch einmal intensiver.
Blick in die Fertigung
Danach führten Franz Rieger und Geschäftsführer Igor Rudel die Besucher in zwei Gruppen durch das Unternehmen. Hier wurde eindrucksvoll klar, welchen Herausforderungen sich Betriebe im Bereich der Galvanotechnik stellen müssen und wie es trotzdem gelingt, Umweltschutz, Energieeinsparung und eine hohe Wirtschaftlichkeit zu erreichen.
Leitung und Teilnehmer der DGO-Bezirksgruppe bedankten sich für die interessanten Einblicke bei einem angenehmen Abschluss in einem Biergarten in Steinheim/Albuch.