• Headerbild Innovation

Junge Kollegen auf den ZVO-Oberflächentagen überzeugten durch grundlagenorientierte Arbeiten und anwendungsnahe Verfahrensentwicklung

Der Vortragsblock „Ergebnisse aus der Forschung – Junge Kollegen berichten“ auf den ZVO-Oberflächentagen in Karlsruhe bot auch 2026 wieder einen konzentrierten Einblick in aktuelle Forschungsarbeiten aus der Galvano- und Oberflächentechnik. In zwei aufeinanderfolgenden Sessions reichte das Themenspektrum von elektrochemischen Energiespeichern und Elektrolyse über Legierungsabscheidung und Galvanoformung bis hin zu Gussaluminium, Batteriematerialien und analytischen Methoden. Gerade diese Mischung aus grundlagenorientierten Arbeiten, anwendungsnaher Verfahrensentwicklung und materialwissenschaftlicher Charakterisierung machte den besonderen Reiz der Vortragsreihe aus.

Max Braungardt, Hochschule Aalen, gab interessante Einblicke in die Rolle-zu-Rolle-Herstellung von Polymerfolien.

Max Braungardt, Hochschule Aalen, gab interessante Einblicke in die Rolle-zu-Rolle-Herstellung von Polymerfolien.

Die Beiträge zeigten zugleich, wie eng die Oberflächentechnik inzwischen mit den Zukunftsfeldern Energieumwandlung und Energiespeicherung verknüpft ist. Mehrere Vorträge behandelten Fragestellungen, bei denen elektrochemische Verfahren, Werkstoffherstellung und moderne Analytik ineinandergreifen.

Marius Engler, Doktorand an der TU Ilmenau, eröffnete die erste Session mit dem Vortrag „Strategien zur Entwicklung effizienter Elektrolyte für Eisen-Redox-Fluss-Batterien“. Nachdem er 2025 mit dem Nasser-Kanani-Preis ausgezeichnet worden war, stellte er nun die Weiterentwicklung seiner Arbeiten an einem Energiespeichersystem vor, das ohne kritische oder knappe Aktivmaterialien auskommen kann. Im Mittelpunkt standen Strategien zur gezielten Auslegung und Optimierung der Elektrolyte, die einen wesentlichen Baustein für leistungsfähige Eisen-Redox-Fluss-Batterien bilden.

Ebenfalls von der TU Ilmenau kam Richard Kübler, der sich der galvanischen Herstellung von Nickel-Eisen-Katalysatorschichten widmete. Besonders hervorzuheben war, dass er nicht bei einer rein empirischen Elektrolytentwicklung stehen blieb, sondern tief in die fundamentalen Mechanismen der Legierungsabscheidung eindrang. Damit verband der Vortrag eine konkrete Anwendung in der Wasserelektrolyse mit grundlegenden Erkenntnissen zur Legierungsabscheidung von Nickel und Eisen.

Der diesjährige Preisträger des Nachwuchsförderpreises der DGO, Mohammad Dodangi von der TU Chemnitz, stellte Untersuchungen zur Verkupferung geometrisch komplexer, nichtmetallischer Strukturen vor und zeigte, welche Bedeutung der Elektrolytströmung für eine gleichmäßige Metallabscheidung auf anspruchsvollen dreidimensionalen Geometrien zukommt. Der Beitrag verdeutlichte, wie Prozessführung und Bauteilgeometrie gemeinsam betrachtet werden müssen, wenn reproduzierbare Schichtdicken und eine vollständige Abdeckung erreicht werden sollen. Herr Dodangi erwies sich in seinem Vortrag als würdiger Preisträger und beeindruckte durch seine Expertise in mehreren Disziplinen – von der Elektrochemie über die Simulation bis hin zur 3D-Animation.

Andreas Winte, TU Ilmenau, sprach über den „Einfluss der Mikrostruktur auf die Anodisierbarkeit recycelter Guss-Aluminiumlegierungen“. Der Schwerpunkt seiner Arbeit lag bewusst auf der Herstellung und Qualität des Gusswerkstoffs und nicht auf der Elektrochemie des Anodisierens. Damit lenkte er den Blick auf einen Aspekt, der in der Beschichtungspraxis leider häufig zu wenig berücksichtigt wird: Die Qualität einer späteren Oberfläche wird wesentlich durch das Grundmaterial und dessen Herstellungsbedingungen vorbestimmt. Gerade bei recycelten Aluminiumlegierungen ist ein fundiertes Verständnis der Mikrostruktur daher eine wichtige Voraussetzung für robuste nachfolgende Oberflächenprozesse.

Max Braungardt von der Hochschule Aalen eröffnete die zweite Session mit dem Vortrag „Entwicklung nachhaltiger leistungsstarker Natrium-Schwefel-Batterien mit neuartigem synergetischem Polymerseparator und Elektrodenkonzept“. Als Polymerchemiker gab er dem galvanotechnisch geprägten Publikum interessante Einblicke in die Rolle-zu-Rolle-Herstellung von Polymerfolien. Besonders reizvoll erscheint die mögliche Verbindung dieser kontinuierlichen Folienfertigung mit der an der Hochschule Aalen etablierten Technologie der Kompositgalvanoformung. Dadurch ergeben sich Ansatzpunkte für neuartige, funktional integrierte Elektroden- und Separatorkonzepte.

Der im Programm ursprünglich für Christian Kiesl angekündigte Vortrag über Silizium-Komposit-Anoden wurde von Dr. Reinhard Böck vom FEM in Schwäbisch Gmünd gehalten. Herr Kiesl konnte ihn nicht selbst übernehmen, da er mittlerweile vom FEM in die Industrie gewechselt ist. Inhaltlich ging es um Lithium-Ionen-Batterien und die elektrochemische Herstellung von Silizium-Komposit-Anoden. Der Beitrag zeigte anschaulich, wie galvanotechnische Fertigungsansätze für die Entwicklung zukünftiger Batteriematerialien nutzbar gemacht werden können.

Azadeh Abdi von der TU Ilmenau berichtete in ihrem Vortrag „MnO₂-Graphen-Verbundkathoden für wässrige Aluminium-Ionen-Batterien“ über die Herstellung von Graphen-Manganoxid-Kompositmaterialien mittels Hydrothermalverfahren. Die erhaltenen Materialien wurden unter anderem mit Raman-Spektroskopie charakterisiert. Die Ergebnisse unterstrichen das Potenzial solcher Verbundkathoden, machten aber zugleich deutlich, dass die Beziehungen zwischen Herstellungsbedingungen, Struktur und elektrochemischen Eigenschaften noch besser verstanden werden müssen.

Den Abschluss des Vortragsblocks bildete Burkhard Hübner, der an der Hochschule Mittweida tätig ist. Sein Vortrag gab einen gelungenen Überblick über die Einsatzfelder der Raman-Spektroskopie in der Galvanotechnik. Durch die klare Ausrichtung auf praktische Fragestellungen und den unmittelbar erkennbaren Nutzen für die Werkstoffanalytik stieß der Beitrag beim Publikum auf großes Interesse. Zugleich knüpfte er inhaltlich sehr passend an die zuvor vorgestellte Raman-Charakterisierung der MnO₂-Graphen-Verbundwerkstoffe an.